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Jetzt wird die Sau raus gelassen
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Autor
Thema: Jetzt wird die Sau raus gelassen (Gelesen 570 mal)
Don Holiday
Gast
Re: Jetzt wird die Sau raus gelassen
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Antwort #5 am:
Dezember 16, 2006, 08:31:21 »
Zitat von: Apolda01 am Dezember 16, 2006, 02:18:30
Hallo Santiago,
...letztendlich gewinnt das Volk..
Gruss
Apolda01
Es geht um sehr viel Geld. Oel, Industrie, Macht, geballte US-Interessen....
Dafuer sind die besten Intriganten aus US angeheuert worden. Polizei, Armee und Gerichte sind auf Seiten der Herrschenden. Ich sehe nur die zwei Moeglichkeiten: Die Herrschenden uebertreiben und das Volk stuerzt sich in einen Buergerkrieg oder die Armee hat von den Spielchen genug und uebernimmt. Da aber die Amis sicherlich durch ihre Berater die Armee unter Kontrolle halten, ist nur die erste Moeglichkeit gangbar.
Traurig, aber war.
Don
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Apolda01
Gast
Re: Jetzt wird die Sau raus gelassen
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Antwort #4 am:
Dezember 16, 2006, 02:18:30 »
Hallo Santiago,
es ist immer wieder erstaunlich, wie ein ganzes Volk von einer handvoll Politiker
verarscht wird! Das Phänomen gibt es natürlich nicht nur in Mexiko, sondern weltweit.
Das es in Mexiko eine gewisse „Nachrichtensperre“ gibt, habe ich auch schon gemerkt,
es gibt in der internationalen Presse kaum noch Artikel über die politischen Aktivitäten
zu lesen. Der Trost ist aber, dass solche Machenschafteten nicht von Dauer sind,
letztendlich gewinnt das Volk, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
Gruss
Apolda01
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santiago
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Re: Jetzt wird die Sau raus gelassen
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Antwort #3 am:
Dezember 15, 2006, 03:08:56 »
Aus dem Heise Report:
So ist offensichtlich, dass die Reichen im Land immer reicher werden. Die Tageszeitung Jornada zitierte aus einem Bericht der Weltbank und der UN-Entwicklungsorganisation, der diesen Trend deutlich macht. Der Bericht soll in der kommenden Woche veröffentlicht werden, schreibt die Jornada: "Aktuell profitieren die mächtigen Gruppen vom Status quo." sie würden große Gewinne auf Kosten der Dynamik und des Wachstums erzielen. Der Bericht identifiziere "eine Gruppe von 20 Familien", die als "mexikanische Multimillionäre" bezeichnet würden. Statt fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), zu Beginn der Präsidentschaft von Fox, hätten sie ihren Reichtum nun auf sechs Prozent des BIP ausgebaut.
kompletter Artikel:
http://www.heise.de/tp/r4/html/result.xhtml?url=/tp/r4/artikel/24/24121/1.html&words=Felipe%20Calderon
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santiago
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Re: Jetzt wird die Sau raus gelassen
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Antwort #2 am:
Dezember 15, 2006, 02:09:00 »
Zitat von: Paraguay2es am Dezember 15, 2006, 04:04:40
.....und es ist doch komisch,dass die gesamte internationale Finanzwelt die von Dir beurteilte Situation KOMPLETT ANDERS
einzuschätzen scheint: die Börsen feierten einen Rekord nach dem anderen....die Anleihemärkte sind "stramm" (enorm niedrige spreads sogar v. Regional-Anleihen"... und die Währung ist stabil.
Hallo Paraguay2es,
was ist die "sichtbare Realitaet" Gute Prognosen in der Boersenwelt? Gute Aktienkurse, die Anleger positiv stimmen, oder vielleicht Millionen von Menschen, die sagen "Ya basta". Die sichtbare Welt sind auch an die 100 "verschwunden Leute" in nur drei Wochen von der neuen Regierung verschleppt, gefoltert und vielleicht....
Ja es gibt diese sichtbare Realitaet hier, eine ganz neue Realitaet hier ist, dass ploetzlich der Presse wieder ein Maulkorb angelegt wurde. Berichte gehen neurdings wieder direkt von der PR Abteilung des Praesidenten Bueros an die Presse, mit "der Bitte" diese Nachrichten als "roter Faden" fuer Berichterstattungen zu verwenden.
Dass Die Kurse hier stimmen u. die Waehrung (noch) stabil ist, bezweifle ich in keiner Weise. Und jeden Tag hier werden Reiche noch reicher, wenn ein Teil des Volks krepiert, wen interessiert das schon. Hauptsache, die Profite stimmen.
Aber noch nicht genug damit. Calderon ist dabei, sich von einem iFettnaepfchen ins naechste zu setzen.
UND DAVON WIRD MAN SCHWER AUCH WAS IN DER INTERNATIONALEN PRESSE LESEN
Am Anfang dieser Woche schluepfte unser neuer Praesident Felipe Calderon in die Rolle des tapferen Schneiderleins u. verkuendigte mit firmen Blick u. geballter Faust, dass es jetzt dem Narco u. dem organisierten Verbrechen entgueltig an den Kragen gehen wird.. Und angefangen wird gleich mit Michoacán, dem Bundesland, wo Felipes Wiege stand.
Boese u. hinterlistige Gedanken, warum gerade gleich ein paar Wochen nach seiner Amtseinfuehrung will ich bewusst aus dem Spiel lassen. Alte Sprueche wie „in jedem Sexeno werden die Karten neu gemischt“, etc. ueberlassen wir notorischen Zweiflern. Die message war, jetzt geht es
dem organisierten Verbrechen entgueltig an den Kragen. Und es war beachtlich, was fuer diese Operation an Manpower u. Equipment eingesetzt wurde:
Militaer:
4260 Soldaten
17 Flugzeuge
29 Hubschrauber
19 Spuerhunde
246 Fahrzeuge
Marine:
1054 Soldaten
9 Hubschrauber
4 Patrullienboote
52 Fahrzeuge
AFI, Bundespolizei u. Rurales (Landespolizei)
900 Mann Bundespolizei
300 Landespolizisten
200 Kriminalisten der AFI
6 Hubschrauber
Aber man zog nicht gen Troya, es ging in die Provinz von Michoacán. Vorgestern frueh in den Nachrichten von Televisa wurden die vorlaeufigen Resultate dieser Kriegsmaschine bekannt gegeben:
2 fest genommene Maenner, die unabhaengig in zwei verschiedenen Strassensperren mit Handfeuerwaffen im Auto angetroffen wurden. Die beiden Pistolen waren gross kalibrig u. fallen somit unter das Kriegswaffenrecht.
Das WAR ALLES, so Televisa vorgestern.
Sollte man allerdings der mexicanischen oneline Publikation „Vanguardia“ mit dem Slogan „Información con valor“ Glauben schenken, wurde ein Laboratorium fuer Amphetamine ausgehoben, im Hafen von Lázaro Cardenas gleich 19.7 to pseudoefedrina chinesischer Herkunft beschlagnahmt, 13 Leute wurden in diesen Operationen fest genommen.
Und die Reaktion der Narcos liess nicht lange auf sich warten:
Vorgestern am Spaetnachmittag wurde ein Schwager des Praesidenten in Mexico Ciy mit drei Schuessen hingerichtet, als er gerade sein Auto besteigen wollte. Nur Eine Zeitung in Mexico berrichtete ueber diesen Vorfalll. Die Nachrichten im TV schwiegen sich 36 Stunden aus, es sollte herunter gespielt werden, Calderon wollte seine Verwundbarkeit nicht zeigen. Erst gestern abend hiess es ofiziell, der Schwager des Praesidenten haette einen Unfall gehabt. (Ja, einen Unfall mit drei Kugeln im Kopf).
Und weiterhin, Calderon packte jetzt schon seine Verwandtschaft (Brueder u. Schwestern mit Kindern) in einen Flieger u. schickte sie nach Spanien, um dort "freier" zu leben.
Vielleicht kann er sich mit den Narcos arrangieren, mit dem grossen Teil des Volks nicht.
Santiago
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Re: Jetzt wird die Sau raus gelassen
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Antwort #1 am:
Dezember 15, 2006, 04:04:40 »
Vorab:ich war lange nicht in Mexico....und kann die Situation -objektiv-nicht beurteilen.
Allerdings glaube ich an die Effizienz von Märkten.....und es ist doch komisch,dass die gesamte
internationale Finanzwelt die von Dir beurteilte Situation KOMPLETT ANDERS
einzuschätzen scheint: die Börsen feierten einen Rekord nach dem anderen....die
Anleihemärkte sind "stramm" (enorm niedrige spreads sogar v. Regional-Anleihen"...
und die Währung ist stabil.
Krisen-Länder geben i.d.R. ein anderes Bild ab (z.B. Asienkrise....etc etc ) .
Könnte es sein,dass Du evtl. ein etwas zu "enges " Bild hast?Zusehr v. einseitiger Presse beeinflusst/informiert?!
Achtung das ist KEIN Angriff.....aber die "sichtbare" Realität scheint anders zu sein!
Gruss!
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santiago
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Jetzt wird die Sau raus gelassen
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am:
Dezember 14, 2006, 08:08:41 »
Kaum drei Wochen im Amt, laesst die neue Regierung die Sau raus. Um es "diesem menschlichem Abschaum" mal zu zeigen, wer hier das Sagen hat. Die Linke u. die Nationalisten werden wohl keine andere Wahl haben, ALS IN DIE BERGE ZU GEHEN. UND DAS WIRD GARANTIERT PASSIEREN.
Hier der Bericht der internationalen Menschenrechts Organisation, was in den letzten zwei Wochen in Oaxca ablief. Auf Befehl des neuen Innenminister Ramirez Acuña, der vor 1 Monat noch Goberneur hier in Jalisco war, und als rechter Hardliner bestens bekannt:
Fri, 08 Dec 2006
Oaxaca: Aktuelle Einschätzung.
Oaxaca: Zurück in die Berge?
Schulen werden überfallen: Schwer bewaffnete Spezialeinheiten dringen
in Kindergärten und Grundschulen ein und entführen die anwesenden
LehrerInnen, denen die Teilnahme an der Volksbewegung APPO
vorgeworfen wird. Gefangene, sogar Menschrechtler, werden gefoltert:
Wir senden deine Glieder einzeln deinen Familienmitgliedern zu, wir
werfen dich aus dem Helikopter, lauten die harmlosesten Drohungen.
Kirchenmänner sprechen von Zuständen wie im Guatemala von Rios Montt
und postwendend attackieren sie Paramilitärs. Internationale
Menschrechtsorganisationen schreien auf, sie hätten geglaubt,
Verschundene habe es nur in den Militärdiktaturen Südamerikas
gegeben, nun hätten sie eine lange Liste solcher Namen in Oaxaca. Auf
dem Land wird ein Militanter der sozialen Organisation CODEP
niedergeschossen, er liegt mit fünf Kugeln im Leib in einem Spital
und seine Compañeros fürchten, dass er noch in diesem Zustand von
Polizeieinheiten verschleppt wird.
Das sind die düsteren Nachrichten aus dem Oaxaca von Anfang Dezember.
Die "harte Hand" von Calderón bekommt als erstes die Volksbewegung
APPO in Oaxaca zu spüren. Die APPO, eine bisher mit nicht-
militärischen Mitteln kämpfende Koalition von Massenorganisationen,
soll vernichtet werden. Oaxaca darf nicht Schule machen,
denn die
APPO steht für eine neue, radikal basisgenerierte Art der Politik,
und für einen Aufstand gegen die neoliberale Privatisierungsmafia,
mit welcher in Oaxaca auch Firmen wie ABB und Nestlé ihre Geschäfte
machen.
An diesem grossen Aufstand nahmen viele, fast alle teil,
blieben sechs Monate lang auf den Barrikaden, auf den Demos, in den
Radiostationen. Eine unvorstellbar lange, kräfteraubende
Mobilsierung, AktivistInnen wie die berühmte Doctora Bertha von Radio
Universidad - über die sogar die NZZ respektvoll als "Stimme des
Widerstands" schrieb (bzw. aus El Pais abschrieb) - bestehen nur noch
aus Haut und Knochen. Aber nie hat sich die Bewegung verlaufen, sie
ist bloss angesichts der massiven militärischen Besetzung seit Ende
Oktober abgetaucht.
Und das Grüpplein der "Aufrechten" um den kokainabhängigen Gouverneur
Ulises Ruiz ist so klein, dass es nicht einmal gelang, im sogenannt
befriedeten Stadtzentrum den Hauptplatz mit den vorweihnachtlichen
Blumengaben der BürgerInnen zu beschmücken, wie das Tradition ist; so
wurden zwei Drittel des Platzes noch schnell von der Regierung
ausgeschmückt. Ruiz simuliert weiterhin Normalität, eine Normalität,
in der Verfolgung und Folter, Korruption und Vetternwirtschaft eben
die Norm ist, und die von der Bevölkerung in Oaxaca nach diesem
halben Jahr der radikalen Politisierung und der gelebten Utopie nie
mehr hingenommen werden wird.
Am Freitag, den 1. Dezember, übernahm Calderón mitten in einem medial
inszenierten Tumult im Parlament die Macht, wo Abgeordnete der
Regierungspartei PAN unter Anleitung der Präsidentengarde des
Militärs die Tribüne mit Barrikaden aus Parlamentssesseln und
Fausthieben verteidigten. Am Montag, dem ersten regulären Arbeitstag
des Präsidenten, traf Calderón sich zuallererst mal mit der
spanischen Unternehmerschaft. Für Dienstag waren dann Verhandlungen
mit der APPO angekündigt, worauf sich einige Vertreter der APPO aus
der Klandestinität an die Öffentlichkeit trauten, darunter Flavio
Sosa. Und flugs wurden sie aus einer Pressekonferenz heraus
verhaftet. Verhandlungen als Falle (wie 1995 in Chiapas, wie 1919 bei
der Ermordung von Emiliano Zapata). Diesen Mittwoch das hehre und
dennoch nicht selbstlose Angebot der sozialdemokratischen PRD and die
Regierung Calderón, alle Streitigkeiten über dessen Amtsantritt und
das Budget zu beenden, wenn er das Problem in Oaxaca politisch löse,
die Gefangenen frei- und den Gouverneur entlasse.
Mexiko verspielte 2006 seinen schon vorher angezweifelten
demokratischen Ruf komplett
. Die politischen Spielräume wurden
schnell immer enger und sind auf die vier ungleich abgeschrägten,
grellweissen Wände der Hochsicherheitsgefängnisse
zusammengeschrumpft, wo sich nicht nur Kommandanten der Guerillas
gegen die weissen Folter zu wehren versuchen sondern immer mehr auch
StudentInnen, Bauern von Atenco, LehrerInnen einsitzen. Der alte
mexikanische Romancier Carlos Fuentes, der alles andere als ein
linker Aktivist ist, mahnte vor zwei Jahren, als López Obrador durch
einen konstruierten Prozess von der Kandidatur zur
Präsidentschaftswahlen abgehalten werden sollte:
Wenn man der
mexikanischen Linken die parlamentarische Partizipation verweigere,
dann bleibe ihr bloss der leidvolle Weg zurück in die Berge, in die
Guerilla.
Heute, nach 2006, nach Atenco, Wahlbetrug und Oaxaca,
scheinen diese Worte leider fast schon prophetischen Charakter zu
haben.
Doch ein Funken Hoffnung glüht weiter: Am Sonntag, dem Tag der
Menschenrechte, findet die achte Megamarcha in Oaxaca statt, trotz
militärischem Belagerungszustand werden wieder zigtausende
Oaxaqueños/as den Rücktritt des verhassten Gouverneurs fordern,
unterstützt von der parlamentarischen Linken. Doch für den Fall der
Verlagerung auf die militärische Ebene sorgt die mexikanische
Regierung schon mal vor - und bestellt in Stans weitere Pilatus
Porter PC9. Dass sie dieses Kriegsmaterial als bevorzugter
Handelspartner der Schweiz problemlos geliefert bekommt, versteht
sich von selbst. Ausser, wir machen gehörig Lärm.
VIVA MEXICO
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