schoen ruhig bei Euch, da moechte ich die Gelegenheit wahrnehmen euch eine kleine Geschichte ueber einen schoenen alten Friedhof in Guadalajara zu bringen. Eine kleine Reportage, kuerzlich fuer eine deutsch-mex. Zeitung gemacht.
Und schoene Gruesse runter zu Euch .....
Wenn man in Guadalajara mal einen Rundgang startet gibt es natuerlich soviel zu entdecken, dass selbst eine Woche nicht reichen wuerde. Normal sieht man sich ja die Dinge an, auf welche ausdruecklich in Informationen fuer Touristen hingewiesen werden. Und Friedhoefe gehoeren normal nicht dazu, es sei denn es sind Friedhoefe die eigens einen Graeber-Tourismus entwickelt haben wie der
Cimetière du Père Lachaise in Paris, wo man Graeber besichtigen kann von Leuten wie Oscar Wilde, Proust, Chopin, Edith Piaf bis zu Jim Morrison.
Solche Leute lebten natuerlich in Guadalajara nie, dafuer andere Leute, welche fuer die Gesellschaft hier genauso wichtig waren, war es jetzt ein grosser Architekt, ein Arzt, ein Priester der sich viel fuer die Armen einsetzte oder ein Buergermeister der in dieser Zeit von
Porfirio Díaz einiges auf die Beine stellte.
Der Friedhof
Panteon de Belén in Guadalajara hat eine lange und interessante Geschichte. Das alte Hospital Civil nützte erst mal ein grosses Grundstück neben dem jetzigen Friedhof als Massengrab. 1785 und 1786 herrschten in Guadalajara gerade Dürreperioden, Arbeitslosigkeit, Hunger und Krankheiten, die Sterblichkeitsrate der Leute war sehr hoch, die beiden Krankenhäuser der Stadt hatten viele Tote die beerdigt werden mussten, das einfachste waren Massengräber wo die Leute anonym begraben wurden.
Dann im Jahr 1844 schuf der lokale Architekt
Manuel Gómez Ibarra den Friedhof so, wie man ihn auch heute noch betrachten kann. Dieser sehr talentierte Architekt, der auch die Türme der Kathedrale von Guadalajara entwarf hatte damals keine Ahnung wie berühmt dieser Friedhof eines Tages mal sein wird.
Der Friedhof wurde in zwei Klassen aufgeteilt. Erst mal in den Teil wo die sozial hoch gestellten und reichen Bürger ihre Gräber bekamen, es heisst, dort fand ein wahrer Krieg zwischen den damaligen Architekten von Guadalajara statt, wer baute das schönste Denkmal oder Mausoleum, die gerade aktuellsten Kunstrichtungen ausnützend welche gerade von Europa reinkamen. Und dann der Teil der Armen, wie schon seit langer Zeit verwendete man einfache Massengräber.
Diese arme Sektion wurde dann vergessen und das heutige
Hospital Civil de Especialidades der
Universidad de Guadalajara darüber gebaut. Der wirklich schöne Teil des Friedhofs wurde auch nur 50 Jahre lang benützt, 1896 dann entgültig geschlossen auf Wunsch der damaligen Gesundheitsbehörden der Stadt.
Heute ist dieser Friedhof ein Museum der Stadt Guadalajara, bestens gepflegt und verwaltet. In der letzten Zeit auch Mode für Brautpaare geworden welche im Friedhof ihre Hochzeitsfotos machen lassen. Und wie jeder gute Friedhof hat er auch seine zahllosen Legenden, das geht vom “Vampir-Baum” über ein Kind das schon zu Lebszeiten Angst vor der Dunkelkeit hatte und selbst das Grab noch jede Nacht mit Fackeln beleuchtet werden musste bis zahllose Geister welche heute noch von dem Nachtwächter gesehen werden.
Speziell in diesem Friedhof kuemmert sich die Stadtregierung von GDL besonders den Besuchern so viele Infos wie moeglich zu geben. Individuell kann man uebrigens gar nicht rein, das sind taegliche Fuehrungen entweder um 10:00 morgens oder um 13:00 mittags. Jede Fuehrung dauert etwa 90 Minuten. Besucher sind hauptsaechlich Schulklassen oder Touristen aus Mexico. Ich hatte mit dem Fuehrer grosses Glueck. Er war ein Student der anthropologischen Fakultaet der
UDG, welche den
Panteon De Belén zu ihrem ganz persoenlichen Projekt machte. Der Eintritt mit der 90 Minuten langen Fuehrung ist uebrigens kostenlos, nur wenn man Fotos machen will kostet das 28.00 Pesos. Die Fuehrung spielt sich nur auf gekenntzeichneten Wegen ab, auch gut so, Besucher werden ausdruecklich darauf hingewiesen, wenn man von diesen Wegen abweicht um zwischen den Graebern rumzulaufen das Risiko besteht, dass man dann eventuell irgendwo, irgendwie zwischen Graebern einbrechen kann u. ploetzlich 2 Meter weiter unten steht …
Ueber die Graeber u. deren Bewohnern wird viel erklaert. GDL ist praktisch noch ein Dorf, die Leute die hier geboren sind kennen sich eigentlich noch alle, wenn nicht, kennen sie wen, der diese Leute wiederum gekannt hat. Trotzdem sieht man ehemalige Prachtgraeber von Leuten dessen Namen selbst den Anthropologen ein Fremdwort sind. Da gibt es z.B. eine franzoesische Familie, nach den Daten auf einem sehr satten Grabstein in GDL um 1870 verstorben, den Namen gibt es heute in GDL nicht mehr. Aber den Namen soll es in Leon geben …. Dann sieht man natuerlich auch Mausoleums mit den Familiennamnen
Orendain oder
Sauza, damit kann man schon wieder etwas anfangen. Besonders weil man bei diesen Familiennamen sofort an Tequila-Dynastien denkt.



Den Friedhof kann man um 10 a.m und um 1:00 p.m. besuchen, an einigen Tagen auch Führungen nachts, von 10.30 p.m. bis Mitternacht . Gespenstergeschichten mit inbegriffen.

Der Grossteil der Buerger wurden jedoch in Wandgraeber eingebettet. Und da findet man auch sehr schoene Sachen. So wie dieses Wandgrab. Dort wurde ein José Castro bestattet, der bereits frueh in dem Alter von 29 Jahren verschied. Die kuenstlerische Arbeit des Steins verriet, dass seine Familie eine gute akademische Erziehung genossen hat. Die griechische Saeule, wie unser Fuehrer sagte waere bereits sehr unten gebrochen – kurzes Leben. Und man sieht ganz deutlich Hippokrates mit seinem Aeskulapstab. Man kann deswegen davon ausgehen dass José Castro in seinem kurzen Leben Arzt war. Und die Frau welche an seinem Grab mit tiefer Trauer sitzt koennte seine Frau oder seine Mutter gewesen sein. Umgeben von Trauerweiden.
Aber dann wurde auf ein ganz besonderes Wandgrab hingewiesen, ganz schlicht, die Wandplatte aus Cantera, nur mit dem Namen Beatriz. Kein Familienname, kein Geburts- oder Sterbedatum. Solche Frauen waren Produkte ausserehelichen Beziehungen, z.B. des Patrón mit einer Haushaelterin. War das Kind ein Junge, konnte er noch Glueck haben, er konnte wenn der Patrón es wollte seinen Familiennamen tragen. Wenn auch dieser Junge dann von seinen Halbbruedern aus der Ehe seines Vaters als "Bastard" angesehen wurde. War das Kind weiblich war sie fuer ein miserables Leben verurteilt. Die „Suende“ war naemlich nicht der Erzeuger sondern das Produkt. Solche Maedchen hatten in der Regel als Lebensweg die Prostitution oder mit viel Glueck ein Kloster. In diesem Falle hatte der Patrón aber doch ein gutes Herz u. bestattete seine "Suende" in das Wandgrab des damals sehr angesehen Friedhofs von Guadalajara. Natuerlich ohne Familiennamen um der damaligen Gesellschaft keinen Grund fuer Gerede zu geben.
Und der Panteon de Belén ist voll mit solch intereressanten Geschichten.
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